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Stipendium für zwei Blaubeurer Gymnasiasten

Blaubeuren

Ahmad Hallacks Mutter wollte nicht, dass ihr jüngster Sohn aus Syrien flieht. Doch 2015 traute sich der heute 19- Jährige nicht mehr in die Schule, weil er nicht von Soldaten ergriffen und in den Krieg geschickt werden wollte. Inzwischen ist er gut in Deutschland angekommen. Am Mittwoch hat er von Kultusministerin Susanne Eisenmann persönlich in Stuttgart dafür die Bestätigung erhalten – bei der Festveranstaltung zur Aufnahme von 53 „Talenten im Land“, die von der Baden-Württemberg- und der Robert-Bosch-Stiftung als Stipendiaten ausgewählt wurden.

 

Ahmad war zusammen mit seiner Schulkameradin Rose Jallpout in Stuttgart und mit Vaida Heintz, der Lehrerin der beiden am Blaubeurer Joachim-Hahn-Gymnasium. Vaida Heintz unterrichtet die beiden in „Deutsch als Fremdsprache“ und in einem Arbeitskreis „praktische Integration“. Schnell wurde ihr klar, wie fleißig und gut die beiden lernen. Wie anderen Schülern auch hatte die Lehrerin den beiden Tipps bei der Bewerbung für ein Stipendium gegeben. Dass gerade Ahmat und Rose ausgewählt wurden, wundert Vaida Heintz nicht: „Das sind Topschüler.“

 

Flucht mit 17 Jahren

 

Ahmad kam vor zwei Jahren ins Konradi-Haus nach Schelklingen. Bei einem sechsmonatigen Deutschkurs zeigte er schon, wie schnell er lernt. Ein Betreuer empfahl ihn ans Blaubeurer Gymnasium. Innerhalb eines Schuljahres holte Ahmad seine Wissensrückstände auf, so dass er in die elfte Klasse vorrückte und im nächsten Jahr sein Abitur machen wird. Die viele Arbeit macht ihm nichts: „Ich finde es gut, dass ich in meinem Zimmer für mich sein und in Ruhe lernen kann.“ Das hat viel mit seinen Erfahrungen im kriegsgeplagten Syrien und auf der rund zweimonatigen Flucht zu tun. Er schlief in der Türkei draußen in der Kälte, wurde von Polizisten in Ungarn geprügelt und versteckte sich tagelang im Wald, ohne etwas zu essen.

 

Die Erstaufnahme in Deutschland mit oft betrunkenen älteren Flüchtlingen war ebenfalls schlimm für Ahmad. Und selbst der Schulstart im vergangenen Jahr in Blaubeuren „war schwierig“, erinnert sich der junge Mann. Inzwischen ist er aber glücklich in der Klasse, fühlt sich „super“ aufgenommen, geht mit seinen Klassenkameraden ins Kino. Besonders freut ihn an dem jetzt erhaltenen Stipendium das Treffen mit Jugendlichen, die ähnliche Interessen haben wie er – über soziale Medien tauscht man sich schon mal über Chemie-Probleme aus. Die empfangene Unterstützung gibt er weiter, gibt jungen Flüchtlingen Mathe-Nachhilfe oder koordiniert Projekte für Mitbewohner des Konradi-Hauses. Sein Ziel ist, Informatik zu studieren – wenn er bis dahin genügend fit in Englisch ist.

 

Nach wie vor telefoniert Ahmad jeden Tag mit seiner Mutter in Syrien. Familie und Freundin fehlen ihm sehr. Nach Syrien zurückzukehren, das kann er sich aber nur vorstellen, wenn er nach einem Studium mit seinem Wissen den kriegsgeplagten Menschen dort helfen könnte.

 

Artikel und Foto: Thomas Spanhel; Südwestpresse online, 16.11.2017